Schottlands Grün

Trees for Life

Schottlands trügerisches Grün

Der Motor ist aus, das Dröhnen der Fahrt verstummt. Die Wagentür rummst eine Interpunktion hinter die letzen technischen Geräusche. Stille.

Dann geht man paar Schritte, so ins Nichts, ins Offene.
Man setzt sich nieder und schaut in die Landschaft und denkt: “mei, ist das schön hier”.  Man sitzt ein wenig länger, lauscht. Dann, ganz langsam, beschleicht einen das Gefühl: Hier stimmt etwas nicht.

Der Kaledonische Wald muss mächtig gewesen sein. Nicht mächtig genug allerdings, um der Gier der Menschen nach seinem Holz genug entgegen setzen zu können. Es gab offenbar über die Jahrhunderte hinweg verschiedene Wellen während derer man aus unterschiedlichen Gründen gnadenlos abholzte. Und nicht wiederaufforstete. Und was in diesen Wellen nicht zerstört wurde, ereldigt jetzt die ungebremste Gier nach Fleisch und tierischen Produkten. Die allgegenwärtigen Schafe weiden jeden zaghaften Versuch der letzten übriggebliebenen Bäume sich wieder auszubreiten, gemeinsam mit dem Wild, zuverlässig ab.

Kaum Insekten, also auch kaum Vögel. So sitzt man und denkt. Und eigentlich überall dasselbe Kraut. Ein bisschen wie eine grüne Wüste.

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Die Blüte des Königreichs, insbesondere Englands, basiert auf der rücksichtslosen Ausbeutung von Rohstoffen, auch Menschenmaterial. Eigene, und als das die Gier nicht genügend erfüllte, auch gerne die anderer Länder, die mit dem Segen der Krone quasi überzeugt wurden. Auf diese einträgliche Idee kamen freilich auch andere.

Während der Koloinalzeit wurde durch den mörderischen Raubzug der europäischen Länder eine Weltordnung festgelegt, die bis heute irgendwie dafür sorgt, dass wir Kofferradios und die anderen nur Kokosnüsse haben. Aber diese Ordnung wankt erheblich. China macht sich bemerkbar und würde ja ganz gerne das tun, was die Europäer vorgemacht haben. Das ist natürlich heute nicht ganz so einfach. Die können ja nicht einfach daherkommen, die jungen Leute in Ketten legen, um sie als Sklaven in ihre Fabriken zu stecken und alles was hier brauchbar ist nach China schleppen. Wär ja unerhört. Macht man einfach nicht. Aber keine Sorge, sie haben einen intelligenteren Plan.

Oder Brasilien. Die können doch jetzt nicht einfach ihre Wälder brandroden, um auch ein bisschen Aufschwung zu haben. Unverschämt. Aufschwung auf Kosten anderer ist schließlich eine europäische Erfindung. Und das würde ja unsere Klimasituation beeinflussen, wir könnten dan weniger rumstinken mit unseren Protzkarren! Geht nicht, auch wenn man hier das Rindfleisch gerne nehmen würde.

Wie auch immer. Damit der Kaledonische Wald wieder seinen Beitrag dazu leistet, Co² aus der Luft zu binden, wird er unter großen Mühen wiederbelebt. Nein, nicht als Nutzwald für wenige die ihn abholzen, sondern als Nutzwald für alle die Atmen.

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Deutschlandfunk: Schottlands Natur im Wandel

Deutschlandfunk: Naturschutz in Schottland