Lichtbilder

Bilder.

Der Bilder wegen.

Das mit der Photographie ist eine komplizierte Sache. Nicht zuletzt der Technik wegen, aber mir geht es hier um etwas anderes.

Man kann, ich stelle nicht in Abrede hierzu manchmal eine gewissen Neigung zu entwickeln, einfache Dinge auch kompliziert machen.

Ach ja? Selbst wenn wir den überaus komplizierten juristischen Teil weglassen. Insbesondere, wenn es um Menschenfotografie geht, die in Europa und das ist keine Beschwerde, nur eine Feststellung, ja schier unmöglich geworden ist. Und wenn wir den Teil der Technik weglassen, der mit der fortschreitenden Entwicklung in scheinbar paradoxer Weise gleichzeitig einfacher wie auch komplizierter geworden ist. Lassen wir doch auch gleich den psychologischen Teil der Wirkung von Bildern in der Werbung und Berichterstattung weg. Soll ja einfach werden. Und, wo wir gleich dabei sind, streichen wir auch soziologische Betrachtungen über die Bilderflut, die dadurch zustande kommt, dass man mit einem Mobiltelefon Situationen und Dinge photographisch abballert ohne sie wirklich wahrgenommen zu haben.

Lassen wir alles weg.

Ein Bild von etwas Schönem ist noch lange kein schönes Bild

Krampus

Bilder, nicht nur Photos, wirken auf verschiedene Arten. Weiß ja jede und jeder. Sie übermitteln zwar immer eine Information, aber mit unterschiedlicher Absicht. Wenn diese Information das Abgebildete ist, dürfte es Dokumentation sein. Ich verwende ein Medium, um etwas Geschehenes oder Gegenständliches abzubilden, um den Betrachter über eben den unvermittelten Inhalt des Abgebildeten zu übermitteln.

Hier bleibt die Kunst draußen und wenn wir Glück haben ist viel gutes Handwerk dabei.

Handwerk kommt gut ohne Kunst aus, Kunst ohne Handwerk hat es allerdings sehr schwer

Malte Prumpfniggl

Jetzt haben wir hier drei Faktoren. Und dann soll man nicht kompliziert werden. Wir haben das Handwerk, die Kunst und das Motiv. Alle drei mehr oder weniger unabhängig voneinander. Dazu kommt noch ein vierter Faktor, der sich wieder in beliebig viele Zweige trennt: Die Betrachterin und der Betrachter. Warum diverse Zweige? Bildungsstand, Empathiefähigkeit, Historie und Erinnerungen, Sentimentalität, der ganze Charakterquatsch. Aber wir quetschen das, wie einen Kabelsalat, zurück in die Einheit Betrachterin. Wir wollen es ja einfach haben.

Jetzt haben wir eine vergilbte Postkarte von San Marino. Nachkoloriert und ohne künstlerische Ambition entstanden. Vom Handwerk bekommt man nicht viel mit. “Schön” könnte man sagen, weil man Mitleid mit den dürftigen Möglichkeiten der frühen Photographie empfindet, “schön” vielleicht, weil man das Motiv wiedererkennt und mit Günther und Annegret 1986 schonmal da war, “schön” vielleicht auch weil die ersten beiden Aspekte nicht zutreffen, man das Motiv als solches aber irgendwie mag oder auch “schön”, weil man geschmacklich ohnehin neben der Kappe läuft und aus der Situation raus will oder einfach versucht höflich zu sein. Sehen sie: mindestens viermal “schön” für nix. Aber da geht noch mehr. Zum Beispiel kann man sich fragen warum man das Motiv schön findet. Weil man an einem ähnlichen Ort bereits etwas angenehmes erlebt hat? Oder weil es “verdammt an Kanada” erinnert. Was soll das?

Kunst ohne Ambition ist Zufall

Heribert

Kennen sie das? “Mei, das sieht ja toll aus, wirklich wie ein Kunstwerk” oder “Die Natur ist der größte Künstler”. Was für ein Quatsch!

Man kann nicht versehentlich ein Kunstwerk machen. Man kann versehentlich etwas Schönes machen, aber das ist doch unbedeutend. Und in der Natur gibt es Unglaubliches zu entdecken, aber beides ist doch nicht Kunst. Muss es doch auch nicht. Warum glauben so viele dass Kunst etwas Schönes adelt? Und warum haben überhaupt so viele ein Problem mit der Definition von Kunst?

Kunst muss überhaupt nicht schön sein. Und Schönes wird nicht automatisch Kunst.  Und gutes Handwerk ist auch ohne Kunst faszinierend. Hört doch auf mit dem Blödsinn.